Gemeinde in der Krise …

Ich war immer schon ein religiöser Mensch. Nein, religiös ist nicht das passende Wort. Spirituell trifft es besser. Damit meine ich aufgeschlossen gegenüber übernatürlichen Themen. Themen wie:

Wo komme ich her? Welchen Sinn hat das Leben? Gibt es einen Gott, der alles geschaffen hat? Ist alles durch Zufall entstanden?

Als Student wurde ich in Köln gläubig. Ein bisschen ungewöhnlich, aber das passt zu mir. Alles war außergewöhnlich in Verbindung mit Gott. Ich fand es großartig, Teil eines größeren Plans zu sein. Mission war für mich eine tolle Idee. In Köln schmiedeten wir große Pläne.

Von meinem Plan Entwicklungshelfer zu werden rückte ich ab. Mission war jetzt ein viel größeres Thema. Technischer Missionar zum Beispiel. Ich verschlang Missionsklassiker von Hudson Taylor, Reinhard Bohnke oder John Wesley, um nur einige zu nennen.

Ich hatte das Gefühl, mit Gott könnte ich über Mauern springen, Berge versetzen und die Welt aus den Angeln heben. Die Hochzeit verschoben wir, weil zuvor noch ein Missionseinsatz in Kasachstan geplant war. Ich würde sagen das war Hingabe. Ob das sinnvoll war oder nicht, daran dachte ich nicht. Ich machte es. Mein Glaube und meine Begeisterung sagten ja, das ist richtig.

Doch irgendwann, nach der Hochzeit kamen die ersten Zweifel. Irina hatte ihre erste Fehlgeburt. Das tat mir sehr weh. Ich konnte es nicht verstehen. Kind zu haben, das war das Größte für uns. Ich war richtig verzweifelt. Ich war richtig betroffen. Von Gott bekam ich nie eine Antwort. Bis heute weiß ich nicht warum. Ich musste es einfach akzeptieren.

Das Leben kennt kein Pause. Auch nach einem Schicksalsschlag geht alles weiter. Schon direkt am nächsten Tag. Irgendwie haben wir es akzeptiert und lebten weiter.

Dann kam die zweite Fehlgeburt. Und jetzt war ich richtig sauer, ich war wütend. Zum ersten Mal in meinem Leben verstand ich Gott nicht. Überhaupt nicht. Ich hatte kein Verständnis.

Was sollte das? Fragte ich mich und fragte ich Gott. Antwort? Erhielt ich keine, ich musste es einfach akzeptieren.

Ich sagte, okay, eine Fehlgeburt kann passieren. Aber eine zweite. Ich hätte mir eine Antwort gewünscht. Ich hätte mir Verständnis gewünscht, auch von Gott. Vielleicht war es ja da, vielleicht war er da. Aber ich spürte ihn nicht.

Günter W. Heini

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